URS
– Aus der Arbeit der Rindviehspezialberatung
Ernst Kreiselmeier, URS - Rindviehspezialberatung
Eine Schwalbe macht noch
keinen Sommer
Die Ergebnisse der diesjährigen
Betriebszweigauswertung bestätigen dieses Sprichwort. Zwar haben sich die
Milchpreise gegenüber dem Niveau des letzten Jahres verbessert, die gesamte
wirtschaftliche Situation jedoch noch nicht. Eine Auswertung läuft über 12
Monate und lässt sich von 3 Monaten mit höheren Auszahlungspreisen noch nicht
ins Positive drehen, zudem gibt es Nachholbedarf: Wenn die Situation sich auf
dem derzeitigen Niveau bezüglich dem Milchpreis verfestigen würde, könnten die
Betriebe das Defizit des letzten Jahres in 4 Jahren kompensieren.
Der „DB 2“ je Kuh wurde im Wirtschaftsjahr. 2009/2010 mit 1.117 € ausgewiesen,
während er im Vorjahr bei 1.423 € lag. Diese Zahl entspricht auch dem Niveau
der vergangenen Jahre. Der „DB 2“ je kg Milch liegt mit 12,5 Cent je kg Milch
um 4,0 Cent niedriger als im letzten Jahr und gegenüber den anderen
vergleichbaren Jahren beträgt der Abstand 4,5 Cent. Dieser ermittelte Wert von
12,5 Cent „DB 2“ je kg Milch stellt den geringsten Wert dar, der seit Gründung
der Rinderspezialberatung im Landkreis Diepholz ermittelt wurde!
Damit bestätigt sich das
obige Sprichwort in markanter Weise.
2010:
Ein besonderes Jahr
Nicht
nur die Milchmärkte verliefen auf anderen Bahnen, auch das
Wetter zeigte deutliche Eskapaden. Der lange Winter sorgte nicht
nur für einen späteren Beginn der Außenarbeiten, er war auch
beim Grünland für einen hohen „Reparaturaufwand“
verantwortlich. Dies ist ein Grund dafür, dass sich bei den
Grundfutterkosten beim Grünland eine überdurchschnittliche
Steigerung bemerkbar macht und zwar von 974 € je ha im
Vorjahr auf 1.093 € je ha im Jahr 2010.
Auch
beim Mais wurde in diesem Jahr die 1.000 € Marke
hinsichtlich der variablen Kosten überschritten. Bei einem
Ertragsniveau von 40,0–45,0 t Frischmasse liegen die
variablen Kosten dann bei 22,8 - 25,7 € je t. Hinzu kommen
noch die festen Kosten. Hier stößt dann auch der Maisanbau
hinsichtlich seiner Rentabilität, sei es bei der Fütterung von
Kühen oder auch der von Biogasanlagen an seine Grenzen.
Höhere Kosten können nur abgefangen werden, wenn der Milchpreis
deutlich über der 0,31 € Basispreis ohne Mwst. und
Zuschläge ausgezahlt wird.
Zusätzliche
Kostenschübe über den Pachtmarkt können vorerst nicht
abgefangen werden. Zur Orientierung bleibt unter anderem
festzuhalten, dass die frühere Formel je Bodenpunkt 5,0 €
zu bezahlen, immer noch Gültigkeit hat.
Darüber
hinaus verschärft sich die Situation auf dem Pachtmarkt noch
weiter durch die Veränderung des Klimas. Je mm Wasser, das die
Pflanzen in der Hauptvegetation zur Verfügung haben, kann 1,0
€ Pachtsumme absolut veranschlagt werden. Diese Menge liegt
in unserer Region bei 250 – 450 mm.
Futtermarkt
in Bewegung
Wohl
in doppelter Hinsicht war der Futtermarkt in Bewegung. Zum einem
stiegen die Preise in allen Bereichen und zum anderen wurde sehr
viel Futter (sowohl Grund- als auch Nassfutter) bewegt, um
Futterengpässe zu überwinden. Diese entstanden schon im den
strengeren Winter“ rund 8,0 – 10,0 % mehr
Futtertrockenmasse auf.
Bereits
im Frühjahr 2010 deutete sich an, dass die Ernteerträge, vor
allem im Grünland, in diesem Jahr schwächer ausfallen würden.
Dennoch profitierte diese Auswertung noch von niedrigeren Preisen
beim Kraftfutter. Mit 584,0 € fiel dieser Posten 111,0
€ niedriger aus als im Vorjahr. Durch günstigen Vorkauf von
Eiweiß- und Energieträgern wurden hier erhebliche Summen
eingespart.
Ein
Vorteil, der zurzeit nicht mehr vorhanden ist.
Der
Markt hat viele Gesichter
Letztes
Jahr ein Themenschwerpunkt, zwischenzeitlich schon abgeflacht
– der Milchmarkt. Beim Arbeitsmarkt haben wir uns schon an
die Begrifflichkeiten erster und zweiter Arbeitsmarkt gewöhnt.
Gibt es dies auch im Milchmarkt?
Rückwirkend
könnte so etwas erkannt werden. Im Jahr 2009 gab es zuviel
Milch, dies führte zu einem schlechten Milchpreis und 7,5 % der
in der EU produzierten Milch wurde durch die Intervention über
Milchpulver und Butter eingelagert.
Im
Jahr 2010 wurden bisher im Vergleich zum Vorjahr 3,0 % mehr Milch
produziert.
Zurzeit
haben wir das Phänomen, dass immer mehr Milch für die
Verarbeitung gesucht wird. Von diesen Vorgängen hat bisher
zumindest die EU profitiert, da sie die eingelagerten Mengen mit
deutlichen Preisaufschlägen verkaufen konnte.
In
Zukunft wird sich die Vermarktungssituation hoffentlich
langfristig erheblich verbessern.
Bis
zum Jahr 2014/2015, dem Ende der Milchquotenregelung, wird die
Anzahl aufgebender Milchviehbetriebe im Bundesgebiet
deutlich steigen, hauptsächlich bedingt durch das Erreichen der
Altersgrenze und zumeist fehlendem Hofnachfolger.
Im
Schnitt der letzten Jahre betrug die Aufgabequote bei den
Milchviehbetrieben 3 – 5 %. Das heißt, nach ersten
Vorschätzungen werden trotz so genannter Wachstums- oder
Zukunftsbetriebe in Deutschland rund 15 – 20 % weniger Milch
zur Verfügung stehen. Dies bedeutet, dass der Wettbewerb um
Milchlieferanten deutlich zunehmen wird. Die Zuwanderung findet
dann „beim besten Wirt“ statt. Daher werden sich die
einzelnen Molkereien noch etwas einfallen lassen müssen, damit
sie ihre Werke kostendeckend auslasten können.
Kostenstruktur
im Blick behalten
Kosten
und Nutzen müssen immer in einer Relation stehen.
Was
bei den besten 10 Betrieben auffällt ist, dass sie meist eine
sehr einfache Ration füttern. Die Anzahl der Kraftfutter- und
Mineralfuttersorten ist deutlich reduziert und die Menge an
Sonderprodukten beschränkt sich auf ein Mindestmaß.
Neben
den reduzierten Kosten gibt es dazu noch einen positiven
Nebeneffekt: Die Zeit, die beim Kauf solcher Produkte beansprucht
wird, reduziert sich auf ein Mindestmaß.
Faktor
Zeit und Fläche
Diese
beiden Faktoren werden in der Zukunft entscheidend auf die
Betriebe einwirken.
Den
Betriebsleitern fehlt es an Zeit. Nicht nur für die
Routinearbeiten, sondern auch für die Herdenbeobachtung, das
Management und die Tätigkeiten im Büro sowie die Dokumentation.
Zusätzliche Zeit ist aufgrund der Lage am Arbeitsmarkt momentan
immer schwerer zu beschaffen und zu bezahlen. Dies führte unter
anderem zu einem deutlichen Anstieg an eingesetzten Melkrobotern.
Es
kommen zurzeit im Ring 16 Melkroboter zum Einsatz. Ziel war und
ist es die Arbeitszeit je Kuh zu senken, die körperliche Arbeit
zu reduzieren und die Herdengesundheit sowie die
Leistungsparameter zu verbessern. Neben den gewünschten Effekten
änderten sich zum Teil auch die täglichen Lebensabläufe
innerhalb des Alltags und in den Familien. Die
„Kopffreiheit“ der Betriebsleiter erhöhte sich
deutlich. Es erfolgte ein Wechsel vom Reagieren zum Agieren bei
der Arbeit und in der Betriebsführung. Ein Faktor, der
nachhaltig nicht zu unterschätzen ist. Aus Sicht der Einsparung
an Arbeit, der besseren Leistungsparameter und den steuerlichen
Auswirkungen kommt es oft vor, dass sich die Finanzierung einer
solchen Melktechnik allein durch diese drei Parameter realisieren
lässt!
Ohne Futterfläche ist kein Wachstum möglich.
Dies
liegt nicht nur an den Eigenschaften der Kuh als Futterverwerter,
sondern auch an den Ansprüchen der Nährstoffkreisläufe.
Je
8.000 kg/Kuh incl. Nachzucht können je ha nach der
Nitratrichtlinie rund 1,46 Kühe gehalten werden, bei einer
10.000 kg Kuh reduziert sich dieser Wert auf 1,3 Kühe je ha.
Daher
sollten sich Betriebe, die weiter wachsen wollen, vor jedem
Wachstumsschritt um Fläche oder feste Anbauverträge mit
Güllerücknahme bemühen! Je Kuh incl. Nachzucht sind 0,72
– 0,75 ha nötig.
Unter
diesem Wert steigt die Anfälligkeit bezüglich einer
langfristigen sicheren Futterversorgung deutlich an.
Entwicklung der Betriebe des Beratungsringes im Vertikalvergleich von 1999/2000 bis 2009/10
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
*
teilweise verfüttert und mit 0,20 €/kg bewertet, Biestmilch
nicht bewertet
**ab 2004/05 Berechnung nach DLG Standard: Die Kosten für
die Färsenaufzucht sind im Produktionsverfahren Milchkuh
enthalten
Fazit:
Die
nächsten Jahre werden noch eine gewisse Ungewissheit mit sich
bringen, aber eine erfolgreiche Zukunft mit der Milchviehhaltung
wird sich weiterhin ergeben – eben –
„Die Milch macht`s!“